Die Gewerbefinanzierung optimal planen – Bank oder über Crowdfunding?

Die Frage nach der passenden und günstigen Art einer gewerblichen Finanzierung stellt sich für jeden Unternehmer mit Gründungs- oder Erweiterungsabsichten. Je nach Firmengröße (z. B. einzelner Selbständiger, kleine oder mittelständische Firma oder Großunternehmen) und Branche bestehen dabei stark unterschiedliche Möglichkeiten und Voraussetzungen. Gerade bei Firmengründungen fehlt oft das notwendige Eigenkapital, um Waren, Maschinen, Gebäude oder Büroausstattungen käuflich zu gewerbedarlehenerwerben. In der Regel müssen viele Anlaufkosten aufgebracht werden, damit überhaupt erst ein Geschäftsbetrieb aufgenommen werden kann – nicht zu vergessen, dass ja auch Werbung, Personal oder Räumlichkeiten (ob Eigentum oder gemietet) meist recht zügig angefragt bzw. besorgt werden müssen. Viele Kreditinstitute sind nun nicht sonderlich begeistert, eine Gewerbefinanzierung (gerade solche mit wenig Eigenkapitalausstattung und hohem Finanzierungsbedarf) zu übernehmen. Oftmals hagelt es Absagen oder ungünstige Kreditkonditionen wegen eines zu hohen Risikos. Eine detaillierte und sorgfältige Planung sollte deshalb immer am Anfang stehen, damit später die Chancen auf den Erhalt einer entsprechend passenden und günstigen Finanzierung besser sind.

Branche und Kapitalbedarf entscheiden über Realisierbarkeit

Sehr schwierig wird es für Unternehmen in besonders risikoreich eingeschätzten Branchen, wie z. B. Speditionsfirmen oder für Hotels und Gaststätten. Auch einzelne Freiberufler oder anderweitig Selbständige gelten als extrem ausfallgefährdet und erhalten deshalb gar nicht oder nur gegen sehr hohe Sicherheitsleistungen überhaupt einen Kredit von Banken. Je nach Fremdkapitalbedarf muss hier entweder eine hohe Eigenkapitalbasis bestehen oder durch andere Quellen Kapital beschafft werden. Gewerbefinanzierungen ohne Eigenkapital sind für solche Interessenten so gut wie gar nicht möglich. Junge Unternehmen bzw. Existenzgründer können jedoch insbesondere durch die Inanspruchnahme von Förderungen (z. B. durch die staatseigene KfW = Kreditanstalt für Wiederaufbau) die finanzielle Situation merklich verbessern. Auf jeden Fall lohnt auch eine Nachfrage bei der Industrie- und Handelskammer.

Businessplan und ggf. vorhandene Bilanzen müssen schlüssig sein

Für den Erhalt eines Gewerbekredits über eine Bank müssen die Bilanzen und die GuV-Aufstellungen der letzten 3 bzw. 5 Jahre vorgelegt werden, zusammen mit einem möglichst schlüssigen und aussagekräftigen Businessplan. Hier sollte unbedingt von realistischen Erwartungen ausgegangen werden, da es ansonsten zu Rückfragen oder gleich zur Ablehnung durch das Kreditinstitut kommen kann. Da ein Kredit über die nächsten Jahre die Bilanz belastet, sollte auch realistisch dargelegt werden, wie neue Ertragspotenziale ausgeschöpft werden sollen. Bei Vertragsabschluss sollte darauf geachtet werden, dass entsprechende Flexibilisierungsklauseln eingebaut werden, falls es möglich ist, den Kredit vorzeitig zu tilgen. Bei bestehenden Unternehmen kann es sich in bestimmten Situationen rechnen, eine Finanzierung einer Investition aus erwirtschafteten Gewinnen vorzuziehen, denn die steuerliche Absetzbarkeit kann hier einen entscheidenden Vorteil bringen.

Finanzierung über eine Bank oder über Crowdfunding?

Eine Möglichkeit einer Gewerbefinanzierung ohne Bank ist das sogenannte Crowdfunding. Hierbei erfolgt die Geldbeschaffung durch mehrere (in der Regel private) Kapitalgeber, die durch die große Anzahl die entsprechend erforderliche Summe bereitstellen können. In jüngster Zeit entwickelten sich dazu mehrere sogenannte Crowdfunding-Plattformen im Internet, bei denen Investoren sich nach erfolgversprechenden Anlagemöglichkeiten umsehen können. Das Konzept ist vergleichsweise einfach: Zunächst präsentiert sich das Unternehmen den Anlegern – sind diese begeistert, erfolgt die Investition durch Überweisung des Anlagebetrages. Ist die Investition erfolgreich, erhalten die Investoren eine sehr attraktive jährliche Rendite und ggf. weitere Vorteile. Ob diese Kapitalbeschaffungsalternative für das jeweilige, individuelle Unternehmen günstiger und lohnender ist als ein Bankkredit, muss innerhalb der jeweiligen Einzelsituation geprüft werden. Gerade bei sehr hohen Investitionssummen dürfte es schwierig werden, genügend Anleger anzusammeln.

KfW-Förderungen können bei der Gesamtfinanzierung hilfreich sein

Unbedingt prüfen sollte jeder Interessent, ob eine Förderung – beispielsweise durch die KfW – möglich ist. Gerade bei Start-Ups gibt es hier oft zahlreiche Möglichkeiten, günstig an Fremdkapital zu kommen. Fördermittel wiederum gelten bei einer Geschäftsbank als Eigenkapitalersatz, was zu günstigeren Einschätzungen führen kann. Je nach Ausprägung und Umfang der geplanten Investitionen können teils nennenswerte Fördermittel – in der Regel in Form von verbilligten Förderkrediten – beantragt werden. Eine Beantragung sollte allerdings VOR Beginn einer Maßnahme bei der KfW über die durchleitende Bank erfolgen.

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