Entwicklung der Bauzinsen im September 2014 – abwärtstrend weiterhin ungebrochen

Seit Beginn des Jahres 2014 entwickelten sich die Bauzinsen nach einer längeren Seitwärtsbewegung aktuell wieder leicht abwärts. Gerade im Juli, August und September standen die Vorzeichen eher auf leicht fallender Tendenz – dies wird nach Meinung vieler Experten kurzfristig wohl auch so bleiben. Die marktspezifischen Gründe für diese Tendenz sind nach wie vor intakt und werden die Märkte auch mittelfristig beeinflussen, wobei jedoch bauzinsen-entwicklung-sep20die Einflüsse weiterer Faktoren gerade mittel- und langfristig nicht abgeschätzt werden können.

Gefahr der Deflation wird bekämpft

Im Sommer 2014 wurde der Leitzinssatz durch die EZB (Europäische Zentralbank) sogar insgesamt 2-mal nach unten korrigiert, derzeit notiert er bei sehr niedrigen 0,05 Prozent – also nahe der absoluten Nullgrenze. Die EZB hat mit dieser und weiteren Maßnahmen (wie z. B. Strafzinsen für bei der EZB geparktes Kapital) Gegenmaßnahmen zur drohenden Gefahr einer deflationären Entwicklung eingeleitet.

Gerade in vielen Ländern Südeuropas scheint dieses Gespenst noch nicht gebannt. Für die Weiterleitung von Kapital in den Wirtschaftskreislauf wird zudem den Geschäftsbanken über ein extra aufgelegtes Programm ein vollkommen zinsfreies Kreditvolumen von 400 Milliarden Euro eingeräumt. Auch werden den Banken zunehmend Risiken aus dem Anleihen- und Pfandbriefgeschäft abgenommen. Geld soll also weiterhin primär und verstärkt in die Realwirtschaft gelenkt werden.

Die Bedeutung für Immobilienkredite

Für die Angebotssituation von Immobilienkrediten in Deutschland bedeutet die aktuelle Entwicklung, dass weiterhin sehr günstig Immobilien finanziert werden können. Gerade die Möglichkeit für die Geschäftsbanken, vergleichsweise risikoarm und langfristig renditestabil Gelder bereitzustellen, facht die Vergabepolitik eher an. Durch die jüngsten Maßnahmen der EZB werden besonders kurze Laufzeiten derzeit günstig beeinflusst – so liegt der aktuelle, durchschnittliche Effektivzins für Immobilienfinanzierungen mit 5 Jahren Laufzeit bei gerade mal um die 1,1 % p.a. Wer aktuell nach einem passenden Immobiliendarlehen sucht, kann unter vielen möglichen Anbietern und relativ günstig konditionierten Angeboten wählen. Dabei muss nicht überhastet vorgegangen werden: Der Abschluss sollte zwar bald erfolgen, doch es sollten auch Nachverhandlungen zu den Konditionen und Flexibilisierungsmerkmalen stattfinden, denn die Banken sind derzeit eher offen dafür.

Mittel- und langfristige Einschätzungen

Die Maßnahmen der EZB sind momentan zwar günstig für Finanzierungsinteressenten, doch sie zeigen auch, dass es große Probleme macht, den wirtschaftlichen Negativeinflüssen in Europa Herr zu werden. Die Angst vor wirtschaftlichen Fehlentwicklungen steigt wieder an und das beeinflusst auch die Finanzmärkte – die Konjunktur in Deutschland im 2. Quartal 2014 um 0,2 % gefallen und Italien ist schon deutlich rezessiv. Das heißt für Investoren und Anleger, dass diese mit erhöhter Vorsicht vorgehen, da die Risikoeinschätzung vor solch einem wirtschaftlichen Hintergrund eher negativ ist. Stattdessen wird in Immobilien investiert, die eine relative Stabilität und auch langfristig anhaltende Renditen versprechen. Diese werden daraufhin wohl teurer werden und die Verfügbarkeit – gerade in guten Lagen – wird sinken. Letztlich kann man nur hoffen, dass die eingeleiteten Maßnahmen der EZB bald greifen – doch dies hätte auch wieder steigende Bauzinsen zur Folge. Aufgrund dieser Entwicklung sollte also ein Finanzierungsinteressent lieber nicht pokern, sondern kurzfristig nach einer passenden Finanzierung suchen, mit Ruhe doch auch mit dem Willen zum baldigen Abschluss. Bei der Auswahl sind dabei nicht nur die Zinskonditionen interessant, sondern auch die Kosten für die Immobilie (Neubau oder Erwerb einer Bestandsimmobilie) insgesamt und die Nebenkosten, sowie die Möglichkeiten einer möglichst flexiblen Finanzierungsgestaltung, welche an die individuelle Vermögenssituation angepasst sein sollte.

Kommentar hinzufügen