Das Risiko, berufsunfähig zu werden und damit auf notwendiges Einkommen verzichten zu müssen, ist nicht gerade gering: Rein statistisch trifft es ca. jeden vierten Arbeitnehmer vor Rentenbeginn. Für Menschen, die nach dem 1.1.1961 geboren sind, gibt es bei einer Erwerbsunfähigkeit (per Definition nur dann, wenn 3 Stunden Arbeit täglich nicht mehr möglich sind) vom Staat nur noch maximal 30 % des ehemaligen Bruttolohns – damit ist eine private Vorsorge zwingend notwendig. Dabei ist es egal, ob der ausgeübte Beruf eher körperlich oder eher geistig betont ist. Denn neben körperlichen Beeinträchtigungen (z. B. durch übermäßige Belastung oder durch Unfälle) können auch psychische Probleme wie Depressionen oder Burn-out dazu führen, dass der jeweilige Beruf nicht weiter ausgeübt werden kann. Ein Anspruch auf gesetzliche Leistungen besteht zudem erst (sofern dieser anerkannt wird) nach einer 5-jährigen Wartezeit. Generell sind die gesetzlichen Leistungen aus der Erwerbsminderungsrente nicht dazu geeignet, den Lebensstandard zu sichern und sollten daher durch den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung aufgestockt werden.

Was sollte eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung leisten?

Neben den schon erwähnten körperlichen Schäden sollten auch geistige Beeinträchtigungen abgesichert sein und die Leistung sollte schon bei 50 % Berufsunfähigkeit nach 6 Monaten einsetzen. Auf der Hut sein sollte der Interessent vor der sogenannten „abstrakten Verweisung“ – einer Vertragsklausel, welche es dem Versicherer erlaubt, den Versicherten zur Ausübung eines anderen Berufes aufzufordern, um so keine Leistungen erbringen zu müssen. Zudem sollte im Falle des Eintritts einer Leistung, diese angemessen hoch sein, so dass der Lebensstandard nicht dramatisch eingeschränkt werden muss. Hierbei sollte beachtet werden, dass gerade bei vorliegenden Krankheiten und aufgrund der inflationären Entwicklung später oft ein höherer Kapitalbedarf vorhanden ist als in der aktuellen, beruflichen Situation. Der Vertrag sollte mit Beginn der Altersrente auslaufen. Da die Versicherer auch mit den eingezahlten Beiträgen wirtschaften, sollte eine Beitragsrückgewähr entweder in Form von Beitragssenken beim laufenden Vertrag oder in Form von einer Auszahlung am Ende der Laufzeit inkludiert sein.

Wichtig: Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten

Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung erfordert immer die Beantwortung von entsprechenden Gesundheitsfragen, damit der Versicherer das Risiko kalkulieren und so den individuellen Beitrag berechnen kann. Es ist wichtig, dass der Interessent bei diesen Fragen wahrheitsgemäß antwortet, damit später keine Leistungseinschränkung im Leistungsfalle eintritt. Es ist durchaus möglich, dass bei unwahren Angaben der Versicherungsschutz auch im Nachhinein verlorengeht. Besteht bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung, kann diese unter Beachtung der Kündigungsfristen gekündigt werden, um eine neue abzuschließen. Der Interessent sollte sich aber erkundigen, ob es nicht günstiger ist, den alten Vertrag anzupassen. Beim Abschluss von Neuverträgen wird es – gerade bei älteren Versicherungsnehmern – oft sehr viel teurer.

Was bieten sogenannte Kombiverträge?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird von vielen Versicherungsgesellschaften auch im Rahmen eines Kombivertrages zusammen mit einer Lebensversicherung angeboten. Hierbei wird dann eine zusätzliche Leistung beim Tod des Versicherungsnehmers vereinbart. Diese Version ist dann zu überlegen, wenn Angehörige beim Eintritt des Todes versorgt werden müssen – der Vergleich und die Berechnung der Beiträge sind allerdings vergleichsweise komplex. Es empfiehlt sich hier in der Regel die Konsultation eines entsprechend neutralen Beraters.

Berufsunfähigkeitsversicherung für verschiedene Berufsgruppen

Wer nicht angestellt ist, sondern z. B. selbständig oder verbeamtet, kann ebenfalls vom Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung profitieren. So sind Beamte beispielsweise zwar relativ gut durch den Dienstherrn abgesichert, doch kann eine sogenannte Dienstunfähigkeitsversicherung mit der Inklusion einer Dienstunfähigkeitsklausel zu extra günstigen Konditionen zum Erhalt des Lebensstandard bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit beitragen.

Auch bei Selbständigen (z. B. Ärzte oder Unternehmer) ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung oft existenziell wichtig, da beim Ausfall des Verdienstes kein adäquates Einkommen mehr erzielt werden kann und zudem nicht selten auch keine Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung kommen. Studenten und Auszubildende stehen zwar noch am Anfang ihrer beruflichen Karriere, doch können z. B. ein Unfall oder psychische Probleme schnell zur kompletten oder teilweisen Erwerbsunfähigkeit führen. Auch diese Gruppen sollten sich daher Gedanken zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung machen, zumal die Beiträge in jungen Jahren noch sehr gering sind. Im Ernstfall können die Leistungen dazu beitragen, ein Leben mit angemessenen Einkommen zu führen, obwohl keine oder nur noch eine sehr geringe Arbeitsleistung möglich ist.

Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird individuell aufgrund des gesundheitlichen Zustands, des Berufs, der Leistungshöhe, dem Alter und weiteren Faktoren berechnet. Generelle Aussagen können daher kaum getroffen werden. Hinzu kommt, dass jeder Anbieter die Faktoren unterschiedlich gewichtet und bewertet, was den Vergleich zusätzlich erschwert. Prinzipiell gilt, dass jüngere und gesündere Interessenten günstiger versichert werden können als ältere Versicherungsnehmer mit entsprechenden Vorerkrankungen. Es besteht die Möglichkeit, im Internet über Tarifrechner einen Anhaltspunkt für die Versicherungsbeiträge zu erlangen, bindend ist jedoch einzig und allein das individuelle und persönliche Angebot der jeweiligen Versicherungsgesellschaft. Bei einer Berufsunfähigkeits- bzw. Kombiversicherung handelt es sich um recht komplizierte Produkte – es empfiehlt sich daher, einen entsprechenden Berater zu kontaktieren. Ein Vergleich möglichst vieler Anbieter ist ratsam, da die Unterschiede nicht selten recht hoch sind und so – auf lange Sicht – zu hohen Beitragseinsparungen führen können.

Leistungen teils sehr unterschiedlich

Was das Leistungsspektrum betrifft, gibt es auch hier viele Unterschiede – es gilt daher, sich das sogenannte „Kleingedruckte“ sehr aufmerksam durchzulesen und mit anderen Angeboten zu vergleichen. Es gibt auch Tests der verschiedenen Angebote vieler namhafter Anbieter – so können beispielsweise auf den Seiten der Stiftung Warentest entsprechende Resultate nachgelesen werden. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Leistungen dem individuellen Lebensstandard und den Bedürfnissen im Alter bzw. bei einer eventuellen Berufsunfähigkeit angemessen sein sollten. Zusätzlich müssen die Beiträge so ausfallen, dass diese ohne Probleme aus dem vorhandenen Einkommen geschultert werden können. Es lohnt sich daher, eine Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich abzuschließen, weil dann die Beiträge noch sehr günstig sind.