Rechtsschutzversicherung: Absicherung gegen finanzielle Folgen von Rechtsstreitigkeiten

Eine Rechtsschutzversicherung schützt den Versicherungsnehmer im privaten oder gewerblichen Bereich (meist einzeln beschränkt und nicht universal abschließbar) vor den finanziellen Folgen von Rechtsstreitigkeiten. Dazu zählen u.a. die Übernahme von Anwalts- und Gerichtskosten (auch bei einer Niederlage vor Gericht), die juristische Beratung und die Kostenübernahme des Gegners im Falle eines entsprechenden Gerichtsbeschlusses. Auch für außergerichtliche Auseinandersetzungen, wie z. B. bei Schieds- und Schlichtungsverfahren übernimmt eine Rechtsschutzversicherung die anfallenden Kosten.

Welche Arten von Rechtsschutzversicherungen gibt es?

Meist ist eine Rechtsschutzversicherung nur auf bestimmte Bereiche umfänglich beschränkt abschließbar: So schützt eine Privatrechtsschutzversicherung vor Streitigkeiten im privaten Bereich, beispielsweise mit einem Dienstleistungsunternehmen oder einem anderen Privatmann. Die Arbeitsrechtsschutzversicherung ist hingegen begrenzt auf den Bereich Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber – allerdings werden Privatrechtsschutz und Arbeitsrechtsschutz oft als Kombiversicherungsprodukt angeboten. Dies bietet umfassenden Schutz im privaten Bereich und mit dem Arbeitgeber, z. B. fehlendem Gehalt oder bei Kündigung.
Die Verkehrs-Rechtsschutzversicherung ist beschränkt auf den Bereich als Teilnehmer am öffentlichen Verkehr bzw. im Zusammenhang mit Fahrzeugen. Auch für Mieter bzw. Vermieter gibt es speziell zugeschnittene Rechtsschutzversicherungen, beispielsweise bei Auftreten von Mietrückständen, Eigenbedarf oder Streitigkeiten bzgl. hoher Betriebskostenabrechnungen.

Was ist zu beachten?

Mit einer Rechtsschutzversicherung kann eine einzelne Person, aber auch eine Familie umfassend abgesichert werden. Meist ist eine Leistung für minderjährige Kinder und volljährige, unverheiratete Kinder in der Ausbildung automatisch inkludiert – es empfiehlt sich aber in jedem Falle, die genauen Versicherungsbedingungen vor Abschluss eingehend zu studieren. Die Leistungsumfänge und Bedingungen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter teils enorm. Auch die Familienrechtsschutzversicherung erlaubt die genaue Bestimmung der Leistungsumfänge und der einzelnen Versicherungsarten (wie Privat-, Verkehrs-, Arbeits- oder Vermieterrechtsschutz). Viele Anbieter versehen ihre Verträge mit einer Klausel, die eine Mindestversicherungszeit von 3 Monaten verlangt, bevor eine Leistung beansprucht werden kann – andere Anbieter wiederum verzichten auf diese Klausel für bestimmte Teilbereiche.

Kosten und individuelle Anpassung für optimalen Schutz beachten

Die gewünschte Absicherung sollte optimal zum Bedarf bzw. zur Lebenssituation passen. Grundsätzlich ist die günstigste Versicherung nicht immer unbedingt auch die am besten passende. Je nach persönlich gewünschtem Schutz kommt es letztlich auf die Leistungsumfänge an und welche Leistungen ggf. ausgeschlossen sind. Anfang 2012 erfolgte im Rahmen einer „Stiftung Warentest“ – Testreihe ein ausführlicher Test der verschiedenen Anbieter – sicherlich eine gute Grundlage, um sich vorab einmal detaillierter zu informieren (Auszeichnungen als beste Rechtsschutzversicherer erhielten übrigens die Anbieter HDI Direkt und HDI-Gerling sowie DAS). Kombinierte Rechtsschutzversicherungspakete für die verschiedenen Bereiche kosten in der Regel zwischen 300 und 400 Euro im Jahr, einzelne Bausteine entsprechend weniger. Wie bei anderen Versicherungsarten oft auch, kann der Versicherungsnehmer einen Selbstbehalt (z. B. 150 Euro) im Leistungsfall mit dem Anbieter vereinbaren, um die Beitragsprämien zu senken.

Steuerliche Behandlung

Prinzipiell gelten Beiträge zu einer Rechtsschutzversicherung nicht als anrechnungsfähig – es gibt jedoch Ausnahmen. Beispielsweise sind Prämien zu einer Berufsrechtsschutz im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit durchaus in der Steuererklärung absetzbar. Auch Beiträge für einen Arbeitsrechtsschutz können geltend gemacht werden. Es empfiehlt sich, über die steuerlichen Belange mit einem Steuerberater zu sprechen.

Gibt es Rechtsschutzversicherungen für den Fall einer Scheidung?
Einige Anbieter bieten tatsächlich solche Rechtsschutzvarianten an. Wichtig hierbei ist, dass je nach Leistungsumfang geprüft werden sollte, ob eine solche Versicherung wirtschaftlich sinnvoll ist. Eine vergleichsweise umfassende Absicherung für den Fall einer Scheidung bedeutet eine sehr hohe Prämienbelastung für den Versicherungsnehmer. Im Rahmen einer privaten Rechtsschutzversicherung ist meist eine juristische Beratung inkludiert, die auch für den Fall einer bevorstehenden Scheidung genutzt werden kann.

Rechtsschutz im Ausland

Wer auch im Ausland einen entsprechenden Schutz benötigt, sollte vor Abschluss genau prüfen, in welchen Ländern der Versicherungsschutz gültig ist. Es gibt bei vielen Anbietern die Möglichkeit, einen weltweiten und zeitlich unbegrenzten Schutz zu vereinbaren, allerdings unterliegen diese Verträge oft zusätzlichen Bedingungen, die genauestens geprüft werden sollten.

Was ist das Quotenvorrecht?

Das Quotenvorrecht kommt zum Tragen, wenn in einem Prozess oder im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung nur teilweise Forderungsumfänge durchgesetzt werden können. Soll z. B. die Gegenpartei einen Teil der Anwaltskosten des Versicherungsnehmers zahlen, so wird nur der übrige Teil von der Rechtsschutzversicherung getragen. Die Kostenerstattung durch die Gegenpartei kann im Falle der Vereinbarung eines Selbstbehaltes entsprechend verrechnet werden.

Fazit

Eine Rechtsschutzversicherung schützt vor möglichen finanziellen Folgen durch Rechtsstreitigkeiten. Durch die Möglichkeit, einzelne „Bausteine“ verschiedener, beschränkter Gültigkeitsbereiche abzuschließen, kann der individuelle Bedarf optimal abgedeckt werden. Rechtsschutzversicherungen sind gleichermaßen für Singles oder für Familien abschließbar. Es sollte jedoch immer geprüft werden, inwieweit ein entsprechender Schutz überhaupt nötig ist und wie stark sich die daraus resultierende Prämienbelastung auf die wirtschaftliche Situation des Interessenten auswirkt. Grundsätzlich gibt es Versicherungen (wie z. B. die Privathaftpflicht- oder die Berufsunfähigkeitsversicherung), die eine größere Bedeutung für die meisten Menschen haben und daher vorrangig abgeschlossen werden sollten.