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Unter dem Begriff „Einlagenrefinanzierung“ wird die Refinanzierung für ausgezahlte Darlehen durch Kreditinstitute verstanden, welche ausschließlich über die von Kunden geleisteten Einlagen erfolgt. Einfacher gesagt, bedeutet es, dass die Mittel für bewilligte Darlehen der Bank von eingezahlten Guthaben anderer Kunden stammen. Der Unterschied zwischen dem gezahlten Guthabenzins und dem verlangten Sollzins des Darlehens ist der Gewinn der Bank (vereinfachtes Rechenbeispiel ohne Berücksichtigung des Zeitfaktors oder steuerlicher Gegebenheiten). Im Gegensatz zur Einlagenrefinanzierung steht die Refinanzierung über den Kapitalmarkt, beispielsweise durch Ausgabe von Schuldverschreibungen.

Im täglichen Bankgeschäft wird sich meist eine Mischform aus den unterschiedlichen Refinanzierungsmöglichkeiten finden, damit steuern Banken neben der Vergabepolitik auch die Ertragssituation und das Risikomanagement. Eine einseitige Refinanzierungspolitik (also entweder Einlagenrefinanzierung oder Refinanzierung über den Kapitalmarkt in Reinform) ist mit einem erhöhten Risiko für das Kreditinstitut verbunden, z. B. aus Ertragssicht. Bei der Bestimmung des Refinanzierungsmix eines Kreditinstitutes spielen auch Markteinschätzung, Marktpsychologie und Zinsentwicklung eine Rolle – je nachdem, wie gut das Management seine Aufgaben erledigt, umso besser und stabiler gestaltet sich die Ertragssituation aus dem Kreditgeschäft des Kreditinstitutes.

So kann beispielsweise bei einer mehrheitlich einlagenrefinanzierten Geschäftspolitik der Fall auftreten, dass viele Kunden ihre Guthaben in kurzer Frist abheben und so nicht mehr ausreichend Mittel zur Deckung der Darlehensvolumina zur Verfügung stehen. Die zusätzlich benötigten Mittel müssen dann über eine verbundene Bank beschafft werden, was teurer als ursprünglich geplant werden kann – in der Folge sinken die Erträge aus dem Kreditgeschäft. Alles in allem handelt es sich um eine komplexe Thematik, die allerdings zu ungewöhnlichen Auswüchsen führen kann – so wird z. B. eine zu starke Refinanzierung über den Kapitalmarkt als eine der hauptsächlichen Ursachen für die Immobilienblase in den USA verantwortlich gemacht, in deren Folge ganze Märkte zusammenbrachen.