« zurück

Die selbstschuldnerische Bürgschaft ist eine Bürgschaft, bei welcher der Bürge auf die sog. Einrede der Vorausklage (gem. § 771 BGB und § 773 BGB) verzichtet. Diese Begrifflichkeiten sind schon ihrer Art nach sehr komplex, was bereits eine gewisse Informations- und Sorgfaltspflicht impliziert. Ein Bürge sollte in jedem Falle vorher genau prüfen, auf welche Art von Verpflichtung er sich mit seiner Unterschrift einlässt. Eine Bürgschaft im herkömmlichen Sinne wird meist dazu verwendet, die Sicherheitsstellung für ein Darlehen zu erhöhen, beispielsweise wenn ein Kreditinstitut den ursprünglichen Darlehensnehmer mit einem zu hohen Ausfallrisiko bewertet.

Übernimmt ein Bürge im Notfall dessen Verbindlichkeiten, wird die Risikosituation positiver bewertet. Somit stellt eine Bürgschaft prinzipiell eine Erklärung des Bürgen dar, für die Forderungen des Hauptschuldners einzustehen, sollte dieser zahlungsunfähig werden. Das Recht auf die Einrede der Vorausklage (was bei einer einfachen Bürgschaft prinzipiell jedem Bürgen zusteht) besagt, dass der Gläubiger zunächst eine Zwangsvollstreckung in das Vermögen des Hauptschuldners nachweisen muss, welche aber letztlich nicht zur Forderungserfüllung ausreichend war. Wurde jedoch eine selbstschuldnerische Bürgschaft vereinbart, so entfällt das Recht auf Einrede der Vorausklage – letztlich bedeutet das, dass der Gläubiger jederzeit auch verbindlich an den Bürgen herantreten kann, wenn es Zahlungsschwierigkeiten seitens des Hauptschuldners gibt.

Da dies einer völligen Schuldübernahme anstelle des Hauptschuldners ohne weitere Voraussetzungen gleichkommt, besteht auch die Möglichkeit, einen maximalen Höchstbetrag für eine solche selbstschuldnerische Bürgschaft zu vereinbaren. Dies würde das Risiko des Bürgen zumindest etwas mindern. Der Bürge sollte sich gut überlegen, ob er eine selbstschuldnerische Bürgschaft wirklich unterzeichnen möchte – letztlich kann dies auch für ihn zu einem finanziellen Problem avancieren.