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Bei Darlehen mit Vereinbarung einer Zinsbindungsfrist sind beide Vertragspartner (Darlehensnehmer und Darlehensgeber) während der Laufzeit an die vereinbarten Zinszahlungen resp. den Zinssatz gebunden. Kündigt nun der Darlehensnehmer das Darlehen während dieser Laufzeit, nimmt der Darlehensgeber nicht die vereinbarten Zinserträge ein und berechnet dafür die sog. Vorfälligkeitsentschädigung. Diese berechnet sich aus verschiedenen Einflussfaktoren und ist oft je nach Darlehensgeber unterschiedlich. Einflüsse wie beispielsweise mögliche Sondertilgungsvereinbarungen, Restlaufzeit, Zinssatz, Wiederanlagezins etc. bestimmen die vom Darlehensgeber verlangte Vorfälligkeitsentschädigung.

Vor Vertragskündigung sollte sich der Darlehensnehmer daher anhand des Vorfälligkeitsrichtwertes informieren, wie hoch ca. eine zu zahlende Vorfälligkeitsentschädigung wäre, um beurteilen zu können, ob wirklich gekündigt (und die Restschuld in einer Summe zurückgezahlt werden) oder doch lieber gewartet werden soll. Der Vorfälligkeitsrichtwert bezieht dabei die gleichen Werte ein, wie auch die vom Kreditinstitut berechnete, endgültige Vorfälligkeitsentschädigung. Vereinfacht dargestellt, ermittelt sich die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung aus der Differenz der entgangenen Zinserträge aus dem gekündigten Darlehen und den mit dem Tilgungsbetrag erzielbaren Zinsen am Kapitalmarkt. Allerdings sind die vorgenannten Einflussgrößen noch zu berücksichtigen. Für die erzielbaren Zinsen am Kapitalmarkt werden dabei die Zinssätze am Rentenmarkt als Referenz angenommen – hierbei meist die Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland.

Insgesamt gibt es wenige gängige Schemata, nach denen Vorfälligkeitsentschädigungen berechnet werden können. Darlehensgeber können dies also nach eigenem Ermessen berechnen – dies bedingt kundengünstigere oder aus Kundensicht auch ungünstigere Kalkulationen. Ein Darlehensnehmer mit fester Kündigungsabsicht sollte daher nach möglichst unabhängiger Ermittlung eines Vorfälligkeitsrichtwertes (z. B. durch Verbraucherzentralen, einem Finanzberater oder mit geeigneter Software) mit dem Kreditinstitut auf dieser Basis über eine möglichst günstige Lösung verhandeln.