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Die normale Zinsstruktur am Kapitalmarkt beschreibt das überwiegend vorherrschende Szenario höherer langfristiger Zinsen für Darlehen und Kapitalanlagen im Vergleich zum jeweiligen kurzfristigen Pendant. Die sog. Zinsstrukturkurve (grafische Darstellung aus Zinsen bezogen auf die Laufzeit) zeigt somit einen aufsteigenden Graph (höhere Zinsen mit zunehmender Laufzeit). Daneben existieren die flache und die inverse Zinsstruktur, welche jedoch nur in bestimmten Situationen am Kapitalmarkt auftreten und daher viel seltener sind. Der relativ einfache Mechanismus hinter der normalen Zinsstruktur beschreibt die progressive Prämierung längerfristiger Kapitalausleihen aufgrund des erhöhten Refinanzierungsrisikos.

Dafür gibt es keinen einheitlichen Maßstab, sondern verschiedene Abhängigkeitsfaktoren am Kapitalmarkt und beim jeweiligen Anbieter. Der Darlehensinteressent muss deshalb neben dem erforderlichen Grundlagenwissen immer wieder die Zinsentwicklung beobachten, um einen möglichst optimalen Zeitpunkt für eine Finanzierung im Zusammenhang mit seinen persönlichen Verhältnissen zu finden. Ggf. kann durch einen sog. Laufzeitenmix (also ein geteiltes Darlehen mit unterschiedlichen Zinsbindungsfristen) einem veränderten Umfeld Rechnung getragen werden. Auch die Wahl der jeweils optimalen Finanzierungsform (Darlehensart) hängt von den zur Aufnahme bestehenden Marktumständen ab.

Grundsätzlich muss von einer normalen Zinsstruktur ausgegangen werden, doch dies sagt noch nichts über das herrschende absolute Zinsniveau aus. Sind die Zinsen beispielsweise extrem niedrig im historischen Vergleich, so kann auch ein sehr langfristiger Finanzierungsvertrag von Vorteil sein, auch wenn eine normale Zinsstruktur herrscht (und nicht etwa eine inverse Zinsstruktur). Durch die Vereinbarung von Sondertilgungen kann z.B. zusätzlich vereinbart werden, dass ein Darlehen schneller getilgt wird – im Zweifel bleibt aber trotzdem die gut kalkulierbare, langfristige Zinsbindung zu günstigen Konditionen. Hintergrundinformationen über Zinsniveau und Zinsstruktur können im Internet oder bei finanzbezogenen Publikationen jederzeit erworben werden.