Finetrading: Teil einer gut strukturierten Unternehmensfinanzierung

In Zeiten, in denen sich die Märkte immer schneller verändern, ist ein hohes Maß an Flexibilität angesagt, um Turbulenzen erfolgreich zu überstehen. Dazu gehört, besondere Einkaufsvorteile spontan zu nutzen und bei saisonalen Schwankungen jederzeit ausreichend Liquidität vorzuhalten. Und bei allen Herausforderungen muss zusätzlich für gute Bilanzkennzahlen gesorgt werden. Innovative Finanzierungsformen sind gefragt. Eine davon ist Finetrading. Doch was bedeutet diese spezielle Art der Finanzierung und wie unterscheidet sich diese von anderen Finanzierungsformen? Dieser Beitrag gibt einen ersten Überblick und zeigt Einsatzmöglichkeiten auf.

Was bedeutet Finetrading?

Der Begriff ist die Zusammensetzung der zwei englischen Wörter „Finance“ und „Trade“. Es handelt sich um eine Finanzierungsalternative zur Finanzierung von betrieblichem Umlaufvermögen. Die Finanzierungsform ist in Deutschland relativ neu, wird jedoch seit Jahren immer bekannter. Es sind keine klassischen Banken beteiligt, was den Unternehmer unabhängiger und flexibler macht. Mit Finetrading werden Waren, Rohstoffe, Betriebsstoffe sowie unfertige Erzeugnisse vorfinanziert. Der sogenannte Finetrader fungiert als Zwischenhändler, wodurch die liquiden Mittel des Unternehmens geschont werden.

Der Ablauf dieser speziellen Finanzierungsform

Es besteht bei dieser Finanzierungsart ein Dreiecksverhältnis zwischen Erwerber, Lieferant und dem Finetrader.

Der Ablauf ist leicht erklärt:

  1. Der Unternehmer bestellt wie gewohnt Waren oder sonstige Materialien bei seinem Lieferanten.
  2. Der Finetrader bezahlt die Einkaufsrechnung und nutzt den eventuell ausgehandelten Skonto.
  3. Die gekaufte Ware wird unmittelbar an den Unternehmer geliefert.
  4. Der Unternehmer kann sofort die Waren verkaufen.
  5. Den Rechnungsbetrag, zuzüglich Finetradinggebühren, zahlt der Unternehmer nach einem längeren Zahlungsziel komplett oder in Raten an den Finetrader zurück.

Factoring und Finetrading: die Unterschiede

Beides sind für Unternehmen vorteilhafte Finanzierungsformen. Der wesentliche Unterschied liegt im Zeitpunkt der Finanzierung. Der eigentliche Prozess setzt früher als beim Factoring an.

  • Beim Factoring werden die Forderungen erbrachter Leistungen verkauft und Lieferanten haben einen Liquiditätsvorteil durch die sofortige Zahlung der Rechnungen durch den Factor. Außerdem sind sie, je nach Vertrag, vor Zahlungsausfällen geschützt.
  • Beim Finetrading wird das Geschäft vorfinanziert. Der Finetrader tritt vor der Lieferung sowie vor der Fakturierung in den Vertrag zwischen Lieferant und Abnehmer ein. Der Anstoß geht also vom Bezieher der Lieferungen aus.

Welche Form sich für ein Unternehmen eignet, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Die Einkaufsfinanzierung in Form des Finetrading ist für Unternehmen im Handel oder für Produktionsunternehmen attraktiv, die sehr kostenintensiv sind. Beim Factoring ergeben sich hingegen selbst bei weniger kapitalintensiven Unternehmen oder Freiberuflern Liquiditätsvorteile.

Nicht verwechseln: Reverse Factoring

Finetrading wird oft mit einem anderen Finanzierungsinstrument, dem Reverse Factoring, verwechselt. Der wesentliche Unterschied: Beim Reverse Factoring werden, Rechnungen. verkauft und nicht die eigentlichen Waren. Beim normalen Factoring werden ebenfalls Forderungen verkauft. Reverse Factoring setzt ebenfalls beim Warenempfänger an und wird ebenfalls als Einkaufsfinanzierung bezeichnet. Die Initiative zum Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung geht nicht vom Gläubiger (Lieferant), sondern vom Schuldner (Käufer) aus. Die Grundlage ist ein Vertrag zwischen Lieferant, Käufer und Factor.

Der Lieferant stellt seine Rechnungen wie gewohnt an den Kunden aus. Der Kunde bestätigt der Factoring-Gesellschaft die Korrektheit der Rechnung und die Factoring-Gesellschaft übernimmt die Forderungen und überweist den Betrag komplett an den Lieferanten. Am Ende der Zahlungsfrist zahlt der Kunde dem Factor den Rechnungsbetrag zuzüglich der in diesem Zeitraum aufgelaufenen Zinsen.

Finetrading: Beispiel

Um die Finanzierungsform anschaulicher zu machen, nachstehendes Beispiel:

Ein kleines Unternehmen produziert Einbaumöbel für Hotels. Die Firma erhält von einer Hotelkette einen größeren Auftrag und muss für die Produktion Materialien einkaufen. Den Einkauf von Materialien in dieser Größenordnung kann das Unternehmen nicht aus eigenen Mitteln finanzieren. Aus diesem Grund droht unter normalen Umständen der Auftrag zu scheitern. Die Firma schaltet einen Finetrader ein, der die Rechnungssumme zahlt und dabei Skonto ausnutzt.

Das produzierende Unternehmen erhält die Lieferung und kann mit der Produktion beginnen. Der Finetrader berechnet seinerseits den gezahlten Rechnungsbetrag, zuzüglich der vereinbarten Gebühr, weiter. Durch das Zahlungsziel von mehreren Monaten ist das Unternehmen in der Lage, auf den Zahlungseingang der Hotelkette zu warten.

Die Vorteile

  • Es werden keine Banken benötigt
  • flexibler als Kredit, da je Einkauf abgeschlossen werden kann
  • Finanzierung ohne bankenübliche Sicherheiten
  • kurzfristige Aufträge können in Wachstumsphasen kurzfristig vorfinanziert werden
  • Rohstoffe, die mit stark schwankenden Preisen gehandelt werden, können strategisch sinnvoll zur Bevorratung eingekauft werden
  • Vorhandene Sicherheiten können für langfristige Finanzierungen bei den Hausbanken geschont werden
  • Spitzen im Saisongeschäft können problemlos ausgeglichen werden, ohne liquide Mittel stark zu belasten
  • Verbesserung der Bilanzkennzahlen (Cashflow, Rating)
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