Finanzierung von nationalen und internationalen Großprojekten

Die Besonderheit einer Projektfinanzierung liegt darin, dass die Finanzierungsmittel in Abhängigkeit von der erwarteten Wirtschaftlichkeit des Projektes bereitgestellt werden. Die Kreditmittelvergabe richtet sich also nicht nach der Bonität, wie es bei einem Firmenkredit zum Beispiel der Fall ist.

Unter Projektfinanzierung ist die strukturierte Finanzierung einer Wirtschaftseinheit von begrenzter Lebensdauer zu verstehen, die sich rechtlich und wirtschaftlich abgrenzt. Damit stellt eine Projektfinanzierung den Gegenentwurf zu einer klassischen Unternehmensfinanzierung dar.

Folgende Merkmale kennzeichnen eine Projektfinanzierung:

  • die Kreditvergabe erfolgt cash-flow orientiert (Cash-flow-related-lending)
  • es besteht eine explizite Risikoteilung (Risk-sharing)
  • die Finanzierung erfolgt bilanzextern (Off-balance-sheet-finance)

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Was ist unter diesen drei Merkmalen im Rahmen einer Projektfinanzierung zu verstehen?

Cash-flow orientierte Kreditvergabe bedeutet, dass aus der Spezifikation von projektfinanzierten Vorhaben kontinuierlich ein niedriges Liquidations-Erlöspotenzial im Vergleich zum Wert der Anschaffungskosten folgt. Wird zum Beispiel ein fertiggestelltes Projekt vorzeitig beendet, kann es passieren, dass aus dem Verkauf einzelner Gegenstände nur geringe Resterlöse erzielt werden. Als Sicherheit werden deshalb für die Kreditrückzahlung nicht die Projektaktive inklusive ihrer potenziellen Zerschlagungswerte bei der Kreditvergabe in den Fokus gestellt. Die Orientierung der Geber des Fremdkapitals gilt vielmehr der Schuldendienstfähigkeit des in Zukunft zu erwartenden Cash-flows. Demnach steht das bilanzierte Vermögen der Projektgesellschaft nicht unmittelbar im Fokus.

Ein großes Risiko besteht hier im Fertigstellungsrisiko (Completion Risk). Schließlich kann ein Projekt nur dann einen positiven Cash-Flow erwirtschaften, wenn es nach Fertigstellung auch seine angedachte Aufgabe wahrnimmt.

Zu unterteilen ist diese Cash-flow orientierte Finanzierungsform insgesamt betrachtet in:

  • die auf einen Zahlungsstrom basierende Darlehensgewährung (Cash-flow related lending)
  • die Finanzierungsstruktur und Finanzierungskonzeption (Financial modelling)
  • die Hebelung der Eigenkapitalrendite (Leverage finance)
  • die Projektbilanzierung in der Zweckgesellschaft (Off balance sheet finance)
  • die beschränkte oder fehlende persönliche Haftung (limited- / non recourse financing)
  • die Risikoteilung (Risk sharing)

Mit der expliziten Risikoteilung (Risk-sharing) wird zum Ausdruck gebracht, dass die Projektrisiken zwischen den unterschiedlichen Projektbeteiligten aufgeteilt wird. Es empfiehlt sich das Effizienzprinzip, bei dem die Projektrisiken im Einzelnen denen zugeordnet werden, die bestehende Risiken aufgrund ihres Know-hows am besten händeln können. Direkte Projektrisiken werden also dem Leistungsträger zugeordnet und die darüber hinaus bestehenden Risiken der Refinanzierung werden Dritten sowie Fremd- und Eigenkapitalgebern zugewiesen. Die Cash-flow orientierte Kreditvergabe kann mit weiteren Ressourcen (Rückgriffsrechten) kombiniert werden.

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Daz gehören das

  • non-recourse-financing (unüblich; Der Rückgriff der Kreditgeber ist auf die Eigenkapitaleinlage der Träger des Projektes beschränkt.)
  • limited-recourse-financing (bevorzugt; Diese steht für eine zeitliche, beitragsmäßige oder den Situationseintritt berücksichtigende begrenzte Haftung des Mutterkonzerns / des Mutterunternehmens über die Einlagen der Gesellschafter hinaus.)
  • full-recourse-financing (Es ist nicht im eigentlichen Sinne der Projektfinanzierung zuzuordnen, sondern traditionell der Bonität des Mutterkonzerns/Mutterunternehmens.)

Die bilanzexterne Bilanzierung als Equity-Methode verlangt nur, dass, bezogen auf die Geldgeber, lediglich der jeweilige Eigenkapitalanteil der Gesellschaft zu bilanzieren ist. Die Beteiligung an einer Projektgesellschaft muss nur At-Equity im Anlagevermögen ausgewiesen werden. Dadurch sind die horizontalen und vertikalen Bilanzrelationen verschont. Haftungsverhältnisse sind immer im Auge zu behalten und trotzdem zu dokumentieren. Dieses Off-balance-sheet-financing besitzt somit im Vergleich zu den beiden anderen Merkmalen für eine Projektfinanzierung nur einen differenzierenden Charakter.

Wann und wie wird eine Projektfinanzierung durchgeführt?

Ist eine herkömmliche Unternehmensfinanzierung im Zusammenhang mit nationalen oder internationalen Großprojekten wie Flughäfen, Infrastrukturmaßnahmen, Kraftwerken, Erneuerbare Energien etc. nicht möglich, kommt die Projektfinanzierung ins Spiel.  Die am Projekt Beteiligten gründen zu Anfang meistens eine Projektgesellschaft (Special Purpose Company). Diese übernimmt die Geschäftsführung sowie die Projektdurchführung für alle Beteiligten. Das Eigenkapital wird der Gesellschaft durch projekttragenden Unternehmen Sponsoren zur Verfügung gestellt. Die Gesellschaft selbst, kann außerdem Fremdkapital aufnehmen. Meistens sind es Bankenkonsortien, geführt von einer Bank, die solch großvolumige Finanzierungen ermöglichen.

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