Working Capital Optimierung – wie verbessern Sie diese Kennzahl?

Wie holt ein Unternehmer das meiste aus seinen vorhandenen Mitteln heraus? Eine wichtige Information über die Liquidität oder Finanzkraft eines Unternehmens gibt das Working Capital. Dabei ist die Kennziffer nicht nur fürs Controlling interessant. Jeder Unternehmer sollte die Entwicklung dieser Zahl im Blick behalten, denn dann weiß er, wie effektiv seine Firma mit dem vorhandenen Kapital umgeht. Auch die Bonität hängt entscheidend vom Working Capital ab, da Banken bei der Bilanzprüfung einen genauen Blick darauf werfen. Daher sollte die Working Capital Optimierung zu den ersten Zielen des Managements gehören.

Was ist Working Capital und wie wird es berechnet?

Zwei Komponenten beeinflussen die Kennziffer:

Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten

Liegt das Umlaufvermögen über den kurzfristigen Verbindlichkeiten, deutet das auf ein stabiles Unternehmen mit ausreichend Liquidität hin. Kundenforderungen, Vorräte sowie Bankguthaben und Kassenbestand erhöhen das Umlaufvermögen. Lieferantenverbindlichkeiten, Rückstellungen und andere Verbindlichkeiten unter einem Jahr Laufzeit nehmen Einfluss auf die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Alle diese Faktoren sind Stellschrauben, die ein Unternehmer für sein Working Capital Management nutzen kann.

Erste Schritte, um das Working Capital zu verbessern:

Die Optimierung des Betriebskapitals muss sinnvoll und zielgerichtet sein. Jedes Unternehmen besitzt eine andere Ausrichtung und muss daher individuell an seinen Stellschrauben drehen. Daher sind folgende Schritte wichtig:

  1. Prozesse und Vertragsbedingungen prüfen

    Ein Betrieb analysiert dazu die einzelnen Schritte von Einkauf, Wareneingang, Warenausgang, Verkauf, Rechnungsstellung usw., um notwendige Verbesserungen zu erkennen. Auch die Vertragsbedingungen mit Lieferanten und Kunden werden überprüft.

  2. Projektierung der Maßnahmen

    Gemeinsam mit den Beteiligten der jeweiligen Prozesse sollten die möglichen Änderungen auf Umsetzung analysiert und auf den Betrieb abgestimmt werden. Diese Prüfung erfolgt abteilungsübergreifend, damit die Einzelmaßnahme in ihren Auswirkungen auf alle Prozesse betrachtet werden kann.

  3. Umsetzung der getroffenen Entscheidungen

    Sind bereits bei der Analyse alle Prozessbeteiligten mit im Boot, kann die Umsetzung schneller durchgeführt werden und erzielt eine bessere Akzeptanz.

  4. Messbare Erfolge

    Prozessanpassungen machen nur Sinn, wenn sie auch tatsächlich das Betriebskapital verbessern. Daher sollten die Zahlen nach der Umsetzung engmaschig verfolgt und weiter geprüft werden. Das gibt auch die Gelegenheit fortlaufend an Optimierungen zu arbeiten und an den Maßnahmen zu feilen.

Welche Maßnahmen sind sinnvoll, um das Betriebskapital zu optimieren?

Ziele der Optimierung des Betriebskapitals sind effiziente Prozesse und niedrige Kapitalkosten, um die Bonität zu verbessern und einen höheren Unternehmenswert zu erzielen. Das erreichen Unternehmer mit ausgewählten, auf den Betrieb abgestimmten Maßnahmen.

Lagerung/Vorräte

Bei einem Blick auf die Formel des Working Capital scheint eine starke Lagerhaltung die Kennzahl zu erhöhen. Doch gleichzeitig bindet eine große Bevorratung dringend benötigte liquide Mittel und bremst das Unternehmen damit aus. Also besteht die Verbesserung in einer optimierten Durchlaufgeschwindigkeit der Waren. Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen in Einkauf, Verkauf und Logistik erleichtern den Überblick. Dabei können Überbestellungen erkannt und verhindert werden. Eine optimale Abstimmung von Bestellungen, Produktion und Vertrieb sorgt dafür, dass die finanziellen Mittel nicht länger in Vorräten und Waren gebunden sind als unbedingt notwendig. Auch ein optimaler Umgang mit Reklamationen verbessert den Produktionsprozess und verhindert Mängel sowie Fehler in der Herstellung.

Lieferanten: Zahlungsbedingungen und -prozesse

Hier liegt das Interesse des Unternehmers darin, die Zeit zwischen Lieferung und Bezahlung der Waren zu maximieren. Konditionen können durch Verhandlungen oder zentralisierten Einkauf verbessert werden. Skonto sollte gezielt genutzt werden.

Kunden: Forderungen und Rechnungslegung optimieren

Hier gilt es einen genauen Blick auf die Risikostruktur der Kunden zu legen. Außerdem sollten die Rechnungsstellungen zügig erfolgen und die Zahlungsbedingungen angepasst werden. Ein Unternehmer muss sich zusätzlich um das Mahnsystem kümmern, um Ausfälle gering zu halten und den Zahlungseingang zu beschleunigen. Eine weitere Möglichkeit, diesen Prozess zu verbessern, besteht im Factoring. Hier kann ein Unternehmen seine Forderungen verkaufen und damit den Zahlungsprozess kostengünstig auslagern.

Working Capital in Corona-Zeiten weiter verbessern!

Krisenzeiten erfordern weiterführende Maßnahmen, denn durch die unerwarteten Veränderungen in der Wirtschaftslage steigen Warenbestände, Lieferketten verändern sich und ausgefallene Forderungen nehmen zu. Was kann ein Unternehmer noch tun?

  • Vertragsbedingungen mit Lieferanten und Kunden nachverhandeln.
  • Corona-Hilfen des Staates nutzen.
  • Steuerliche Möglichkeiten nutzen.
  • Prozesse auf neue Bedingungen hin kurzfristig prüfen und dynamisch anpassen.

Fazit:

Mit einer Working Capital Optimierung schlägt ein Unternehmer gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe, denn er verbessert die Effizienz seiner liquiden Mittel, erhöht die Bonität und den Unternehmenswert. Die Maßnahmen müssen jedoch individuell und fortlaufend an den Betrieb angepasst werden, um verschiedenen wirtschaftlichen Bedingungen und Betriebsbedürfnissen zu entsprechen.