Zinskommentar: Entwicklung der Bauzinsen im 1. Quartal 2021 – Zinsniveau leicht gestiegen – kommt jetzt die Trendwende?

Die Entwicklung der Bauzinsen zeigte im ersten Quartal des Jahres eine ähnliche Tendenz wie die Corona-Politik: seitwärts und ohne erkennbares Ziel. Zum Jahreswechsel 2020/2021 waren Immobilienfinanzierungen unter günstigsten Voraussetzungen für knapp 0,50 Prozent zu bekommen. Die Zinsen stiegen dann in der zweiten Hälfte des Quartals um etwa 0,10 Prozent. Dies sind auf den ersten Blick keine dramatischen Ausschläge. Dabei sollten alle Kaufinteressenten beachten, wie sich geringfügige Zinsanpassungen aufgrund der hohen Summen und langen Laufzeiten mit deutlich höheren Zinsaufwendungen bemerkbar machen. Ebenso gilt für Darlehensnehmer aktuell wachsam zu sein, um den richtigen Zeitpunkt für eine Umschulung oder den Abschluss eines Forwarddarlehens zu erkennen. Dieser Beitrag klärt über die Rahmendaten auf und gibt Interessenten eine Entscheidungshilfe.

Geringe Zinsanpassungen haben enorme Auswirkungen

Folgendes Beispiel zeigt, wie sich eine vermeintlich geringe Zinserhöhung von 0,50 Prozent auf die gesamte Zinslast auswirkt:

Darlehenssumme: 300.000 Euro
Zinssatz: 1 %
Tilgung: 3 %
Monatliche Rate: 1.000,00 Euro
Zinsaufwendungen: 45.362,38 Euro

Die Zinsaufwendungen für die gesamte Laufzeit unterstellen einen gleichbleibenden Zinssatz.

Bei einer Zinserhöhung von lediglich 0,50 Prozent erhöht sich der monatliche Aufwand auf 1.125 Euro. Die Rechnung endet mit einem gesamten Zinsaufwand von 65.146,69 Euro. Bei einer Darlehenssumme von 300.000 Euro macht sich die Zinserhöhung von nur 0,50 Prozent mit knapp 20.000 Euro (19.784,31) Mehraufwand bemerkbar.

Inflation als Treiber der Zinsen

Die Inflation in der Eurozone befand sich im Dezember 2020 auf dem tiefsten Jahresstand von -0,30 Prozent. In den ersten beiden Monaten des neuen Jahres stiegen die Preise um 0,90 Prozent. Zum Vergleich: In den USA war im Februar bereits eine Inflation von 1,7 Prozent zu erkennen. Im Vorjahr lag die Inflation teilweise bei nur 0,20 Prozent. Es zeigt sich somit nach dem Corona-Schock eine deutliche Erholung der Preise – sowohl im EU-Bereich als auch in den USA.

Die EZB geht in ihren Prognosen in der EU, nach einer durchschnittlichen Inflationsrate im Jahr 2020 von 0,30 Prozent, für 2021 von 1,5 Prozent aus. Dabei prognostiziert die EZB einen Anstieg der Preise von 2 Prozent für das letzte Quartal. Im Jahr 2022 soll dann der Preisanstieg wieder auf 1,2 Prozent zurückfallen. Die Fed erwartet, nach der Inflation von 1,2 Prozent im Jahr 2020, für 2021 einen durchschnittlichen Preisanstieg von 1,8 Prozent und für 2022 einen Anstieg von 1,9 Prozent.

Für beide Wirtschaftsräume bedeutet dies im Ergebnis, dass die Prognosen ein Niveau prognostizieren, wie es vor Einbruch der Pandemie bestand. Danach stehen die Zeichen mittelfristig wieder auf Wachstum.

Gestiegene Refinanzierungskosten und die Stimmung an den Aktienmärkten

Die Renditen für langfristige Rentenpapiere sind in den ersten beiden Monaten des Jahres angestiegen. Da sich daran die Zinsen für Immobilienfinanzierungen orientieren, stiegen die Bauzinsen. Im Monat März hat sich die Lage beruhigt und das Niveau ist etwa gleichbleibend. Die Ausschläge führten zu ersten Titeln in der Presse wie „Bauherren laufen jetzt in die Zinsfalle“.

Die Abhängigkeit von Aktienmarkt und Rentenmarkt zeigte sich deutlich in den Monaten Januar und Februar 2021. Steigen die Renditen bei den Renten, greifen Anleger eher zu den sicheren Papieren. Insbesondere Wachstumswerte verzeichneten an den Börsen kräftige Verluste. Im März hat sich die Lage wieder beruhigt und der Deutsche Aktienindex (DAX) präsentierte sich mit einem Rekordhoch. Die Frage ist, wie lange diese Entwicklung anhält. Die Diskussionen um Lockdowns und Verschärfungen sind wirtschaftlich keine guten Nachrichten. Dies könnte Anleger mittelfristig wieder in den sicheren Hafen der Anleihen führen. Bei steigender Nachfrage nach Anleihen steigen die Kurse und die Zinsen sinken zunächst.

Fazit: viele unbekannte Parameter in der Corona-Krise
Angebote nutzen, bevor sie vorbei sind

Die Prognosen zum Zinsmarkt sind uneinheitlich. Sie reichen von dramatischen Meldungen, die von Zinsfallen für Bauherren sprechen bis zu Expertenmeldungen, die über leicht sinkende Zinsen berichten. In der Pandemie gab es immer wieder Lichtblicke, wie die Entwicklung von Impfstoffen. Gleichzeitig muss mit Rückschlägen jederzeit gerechnet werden. Daneben kalkulieren Banken für erhöhte Risiken bei Kreditausfällen Zinsaufschläge. Das führt neben Inflationsängsten zu Zinserhöhungen.

Die Entscheidung für eine Immobilie muss gut geplant und wohldurchdacht sein. Dennoch: Sind die Möglichkeiten da und lässt sich eine Immobilienfinanzierung im Budget realisieren, sollte jetzt zugegriffen werden, bevor die Chance vorbei ist. Gleiches gilt bei bestehenden Darlehen. An der Börse trifft der Anleger kaum den absolut besten Zeitpunkt zum Einstieg. Es gibt aber einen günstigen Zeitpunkt, der einen ordentlichen Ertrag erwarten lässt. Der Zeitpunkt für den Abschluss einer Baufinanzierung war nie so günstig wie heute!

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